Fossombrone / PU
Marche - Italien


1996 fing ich an meine Wurzeln zu suchen, fand 1997 mein Vater mit seiner Familie in Italien.

Die Suche 1996 nach meinem Vater war sehr mühsam. Ich schrieb insgesamt 15 Anfragen mit Schreibmaschine und 12 Anfragen von Hand. Ich erhielt Antworten von den verschiedenen Orten, an denen er lebte und wo er gearbeitet hatte. Darüber hinaus stand in einem dieser Briefe seine Heimat und seinen Geburtsort. Auf einem andern Briefe sogar die Nummer seines Dossier - Akte. Sie war von Hand dazu geschrieben worden. All dies und noch viele Beweise mehr zeigen auf, wie verlogen unsere Behörden, die Gemeinden mit deren Mitarbeiter damals waren wenn es um den Vater eines unehelichen Kindes ging. Die Behörden hier in der Schweiz haben die Beweise versteckt und teilweise vernichtet.
Meine Vormünderin wusste sehr früh (August 1963) alles über meinen Vater, wirklich alles und alle anderen glaubten Ihre Lügen die Sie über uns verbreitete.

Ich bekam Antworten, die mir bei der Suche nicht halfen. Jedoch fand ich so heraus, was Sie mit uns damals machten. Ich habe bis heute eine stink Wut auf all dies. Es hatte System. Sie machten es nicht nur mit uns. Sie machten es mit  tausende von Vätern und Müttern, mit deren Kindern. Wie der letzte Dreck wurden wir von Ihnen behandelt. Das machte mich so wütend, dass ich 1996 sogar einen persönlichen Brief an den damaligen Stadtpräsidenten von Luzern schrieb. Er reagierte sogar, bemühte sich sehr. Nahm Kontakt in Italien auf, jedoch gaben Sie ihm keine Auskunft. Das Verhältnis zwischen der Schweiz und Italien war nicht gut.

Nur durch einen Zufall 1997, dass meinem damaliger Freund mit mir zu seinen verwanden auf Neapel in die Ferien fuhr. Sein Onkel half mir meinen Vater zu finden. Auf dem Rückweg gingen wir dort hin. Meine Empfindungen, was damals in mir vorging, als ich vor ihm stand, kann ich nicht beschreiben …. erst danach … ich habe nie in meinem Leben so sehr geweint. Dass ich meinen Vater kennenlernen durfte, verdanke ich meiner Schwester.
Sie war es, die ihn etwas schubsen musste.

Als ich in die Schweiz zurückging, wollte ich, dass er auf mich zukommt. Weil man einen alten Baum nicht mehr verpflanzen kann, meine Rede. Ein paar wenige Monate später klingelte das Telefon: Er rief an und fragte mich, wann ich auf Italien komme. So hat alles begonnen und ich danke ihm von Herzen, dass er mir diese Chance gab. Ihn mit seiner Familie und alles, was dazu gehörte kennen zu lernen.

Nach 34 Jahren fand ich die andere Seite meiner Wurzeln.

30. Mai 1997

An dem Tag als ich mein Vater, Schwester zum ersten Mal sah. Danach lernte ich auch meine zweite Mutter kennen. Meine neue Familie. Ich hatte nie eine, musste es über viele Jahre zuerst lernen, was es heisst eine zu haben.

Aktenbeweise meines Vaters, wie die Schweiz mit Ihm umgegangen ist, findet man im Seiten & Verzeichnisse im Kanton Schwyz und Kanton Luzern. Dazu unter Historisches & Geschichte in der Rubrik Gastarbeiterkinder. Dort kann man Artikel lesen, wie die Schweiz mit Gastarbeiter und deren Kindern damals umgingen. Er war nicht der einzige Betroffene. Eltern oder ein Elternteil wurden damals sehr oft via Fremdenpolizei aus der Schweiz gejagt ohne Rechte. Zu viele Kinder wie ich,  Bastard wie sie uns nannten, wurden auch ohne Rechte versorgt. Jedoch wurde mein Traum 1997 wahr. Ich durfte ihn mit seiner Familie über viele Jahre kennenlernen. Was bleibt sind schöne Erinnerungen, neue Freunde und ein Ort wo ich jederzeit hingehen kann. Daher möchte ich hier auf dieser Seite, nicht mehr dazu hineinstellen oder schreiben.

Ich kann mir nur vorstellen, wie schmerzhaft es war und wie schwer seine Seele verletzt wurde.

Fossombrone

in der Provinz Pesaro und Urbino

Mein zweites Zuhause - Meine zweite Heimat

Wahrzeichen von Fossombrone "Ponte Concordia" mit dem Fluss Metauro

Kann ein Traum wahr werden?
Geschrieben für eine Deutschaufgabe 23.11.2009 BFS1
Thema war kurze Geschichte oder Beschreibung
Immer wenn ich in meinem Auto weite Strecken fahre, schweifen meine Gedanken
ab. Entweder in die Zukunft oder in die Vergangenheit. Weite Strecken auf der
Autobahn zu fahren verleiten einem dazu. An früher, an meine Kindheit zudenken.
Nun bin ich schon am Gotthard, da muss ich aufpassen, darf nicht abschweifen.
Dieser Tunnel löst bei mir immer viel Respekt ein. Er ist gefährlich, es ist warm und
eine Müdigkeit schleicht sich ein. Es dauert zwanzig Minuten. Dann das Tessin, die
Berge, die vielen Wasserfälle, alles ist so grün. Aber da war auch viel, die Traurigkeit
in mir. Etwas, das ich nicht hatte, das mir fehlte, vor dem ich Träumte. Dieser
Wunsch, der nie wahr wurde. Manchmal Hoffnungen Erweckte, aber auch wieder
nicht. Viele heimliche Tränen. Die Grenze kommt, die Passkontrolle. Die Landschaft
verändert sich. Das Land wird flacher die Berge sind weit weg und verschwinden
dann langsam. Nun bin ich schon ein paar Stunden Unterwegs im Auto. Dazwischen
auf einem Rastplatz ein Snack ein Kaffee. Die vielen Fremden, alle mit einem Ziel vor
Augen, mit Sehnsüchten und Träumen, Hoffnungen und Ängsten. Rechts und links
nur die weite mit vielen Heuballen, alten Häusern die fast schon Ruinen sind. Und
immer wieder taucht ein grosser breiter Fluss auf. Ganze Alleen von Bäumen die den
Wind abhalten. Auch die vielen Fremden Gerüche. Manchmal wirklich nicht mehr für
die Nase geeignet. Aber immer noch die leere in mir, als ob etwas fehlt. Oft auch das
Gefühl trotz allem alleine zu sein. Mein Traum, der immer noch nicht in Erfüllung
gegangen ist. Der langsam im Herzen verschwindet. Man wird erwachsen, das
Leben wird noch härter. Hat keine Zeit mehr für Hoffnungen und Sehnsüchte.
Schon eine lange Zeit fahre ich. Im CD Player läuft Robert Miles, es passt zur
Abendstimmung. Die Sonne die bald Untergeht, taucht das weite Land in eine
Traumlandschaft. Diese sagenhafte Stimmung, die ich jedes Mal wen ich hier bin
Erleben darf. Jedes Mal aufs Neue Faszinierend. Die Strasse wird wieder enger,
auch hat es wieder kleinere Hügel. Ein grösseres Dorf taucht auf. Noch ein paar
Minuten, dann bin ich da. Fahre nicht in den alten Römisch Stadtteil, nein in den
neueren. Vor mir taucht ein Restaurant auf. Ich parkiere mein Auto. Wird mein Traum
nun Wahr, ein Traum von dem ich nicht wusste was es für ein Traum ist.
Nun gehe ich ins Restaurant und frage dort jemandem nach meinem Traum. All die
langen Jahre hatte ich meinen Traum, doch immer wieder im Herzen gehabt. So
viele Jahre, wird er wahr! Jemand kommt von unten herauf, ich bin leer, ohne
Gedanken im Kopf. Was erwartet mich…… Ja, da steht er vor mir…mein
Traum…..mein Vater. Nun bin ich Zuhause.

Geschichte des Gemälde Lucio 68

Dieses Bild Lucio 68 bekam ich von meiner Grossmutter. Vermute das der Zeichner dieses Bildes aus Fossombrone ist und ein Freund meines Vaters war. Es hing über viele Jahre im Wohnzimmer an der Wand oberhalb des Esstisches bei meinen Grosseltern in Littau LU. Bevor meine Grossmutter 1995 mit 88 Jahren ins Altersheim ging, bekam ich dieses Bild von Ihr.  Sie sagte: Sie habe es von meinem Vater geschenkt bekommen. Über ihn gesprochen hat sie erst, als ich Ihr 1997 gesagt habe, dass ich meinen Vater gefunden habe und nun Ihn mit seiner Familie besser kennen lernen will.