Kanton Glarus

Heim für schwachsinnige Kinder Haltli Mollis - Mutter

Kinderheim Bergfrieden  und Flueblüemli  evt. noch Heim Elmer und bei einer  Familie privat zuhause - Ich

Meine Mutter kam ins Haltli in Mollis aus dem Kanton Schwyz. Sie war 12 - 13 Jahre alt und blieb in diesem Heim, bis sie
16 Jahre alt war. Gewisse Jugendliche blieben dort, bis Sie 18 Jahre alt waren. Ob dies bei Ihr der Fall war, weiss ich nicht. Wer dies veranlasste, fand ich auch nicht heraus. Sie erzählte davon, jedoch weiss ich es nicht mehr.

Damals gab es in der Katholischen Zentralschweiz keine Institutionen für reformierte Kinder, also kam Sie wie viele andere ausserkantonal in einem Kinderheim oder Institutionen unter.

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Ich war eigentlich im Kinderheim Lutisbach im Kanton Zug erst eine kurze Zeit dort, wo Sie mich noch nicht ganz vier Jahre alt im Zeitraum 1967 - 1970 immer wieder nach Braunwald in diesen Kanton hier brachten. Da ich noch nicht schulpflichtig war, über mehrere Tage oder Wochen. In eine Private Familie und in die Kinderheime Bergfrieden, Flueblüemli und evt.  das Heim Elmer. Sie brachten mich in diesem Zeitraum nicht nur in diesem Kanton hier überall hin. Da war noch Erstfeld im Kanton Uri zu einer Ferienfamilie, wo sie mich hinbrachten und unzählige Personen im Kanton Zug, wo ich hinmusste.

Nachvollziehen kann ich dies bis heute nicht. Ein Kleinkind von einem Kinderheim in andere Kinderheime und andere Familien zu geben. Die Verwahrlosung und Entwurzelung von mir, wie meine Vormünderin in einem Bericht hinein schrieb, habe ich Ihr und diesen Heimtanten, die mitspielten, zu verdanken.

So begann hier meine suche nach Antworten.
Meine Mutter kam ca. 1956/1957 als Kind und ich viele Jahre danach, in diesen Kanton Glarus.

Hier einer meiner vielen Anfrage auf der Suche nach Antworten, die ich damals mit der Schreibmaschine, Briefpapier und per Post versendete. Mit all meinen Schreibfehlern.

Anfrage am 7.12.1996 an die Gemeindeverwaltung Mollis GL.
In welcher Zeit meine Mutter im Haltli in Mollis war? 

Antwort 8.1.1997 von der Gemeinde Mollis.

Auf Ihre Anfrage betreffend Aufenthalt Ihrer Mutter in Mollis haben wir in den Archivaren der Einwohnerkontrolle keine Angaben gefunden. Aus Ihrem Schreiben geht nicht hervor, ob ihre Mutter als Angestellte oder als Heiminsassin im Sonderschulheim Haltli anwesend war. Die Heiminsassen wurden in Mollis nicht angemeldet, im Gegensatz zu den Angestellten. 

Im Brief wurde dieser Namen der Institutionen von damals mit einem anderen Namen verharmlost:
Sie nannten es Sonderschulheim, anstatt Heim für schwachsinnige Kinder. Wie man beim dieser Jahresrechnung 1960 den ich von der Advokatur Langlotz September 2014 bekam, sieht.
(Anlaufstelle, zusammen mit dem Staatsarchiv im Kanton Glarus für Betroffene Opfer) 

Ich fragte vor einiger Zeit meine Tante einmal danach. Daher weiss ich, dass meine Mutter mit 12/13 Jahren. 1956/57 - 1960/61 vielleicht noch 1 - 2 Jahre länger, dorthin kam. Ein "Gspändli" das mit Ihr dort war, sagte mir dazu noch: Die meisten gingen mit 16 Jahren weg, einige blieben jedoch, bis Sie 18 Jahre alt wurden.

Haltli - Mollis
Glarnerische Erziehungsanstalt für schwaschsinnige Kinder

Bei meiner Mutter begann es als Sie 12/13 Jahre alt war. Ihre Mutter, meine Grossmutter erzählte, sie kam einfach nicht mehr zu Recht mit ihr. Sie verhielt sich anders, war komisch, sehr auffällig. Sie hatte sie einfach nicht mehr im Griff. Keiner in der Gemeinde wollte meine Mutter damals zu sich aufnehmen. So wie sie es mit der anderen Tochter gemacht hatte. Daher ging meine Grossmutter, also ihre Mutter auf das Gemeindeamt und bat um Hilfe. Hat aber, so erzählte sie immer wieder nie irgendetwas Unterschrieben. Also kam meine Mutter ins Haltli in Mollis GL weit weg von Zuhause. Bei meinen Nachforschung konnte ich mit einem "Heimgspändli" das mit Ihr im Haltli war reden. Er fragte mich: Ob Sie schon vorher Missbraucht wurde da sie im Haltli auch sexuell missbraucht wurde. Es hatte viele solche Vorfälle gegeben. Die meisten Kinder dort waren auch nie schwachsinnig. Dazu sagte mir meine Mutter, sie hätte schon 2-3 Abtreibungen hinter sich. Also liegt es auf der Hand, dass Sie in Goldau sexuell missbraucht wurde und Ihr niemand glaubte. Aus Scham und Schande, was Sie der Familie angetan hat, wurde Sie versorgt. Oder der Missbrauch war im familiären Umfeld und man wollte alles vertuschen. Grossvater war ein sehr stolzer Mann. Eingeständnisse zu machen, was er auch bei meinem italienischen Vater nicht wollte, sieht ihm sehr ähnlich. Ich weiß auch, dass er viel Alkohol getrunken hat. Sehr oft zu viel.

Haltli in Mollis Glarnerische Erziehungsanstalt für schwaschsinnige Kinder

Haltli in Mollis


Glarnerische Erziehungsanstalt für schwaschsinnige Kinder in Mollis.

Meine Mutter wurde auch viel geschlagen und war in diesen 10 Jahren, die Sie unter der Vormundschaft in Horw stand, in 10 verschiedenen Anstalten / Institutionen. Dies erzählte Sie einmal dem neuen Heimleiter im Lutisbach und er schrieb es in meinen Heimbericht hinein.

1960 er Jahresrechnung "Haltli"
Herkunftsbezeichnung
Die Sonderschulen im Kanton Glarus
Autor(en). Brauchli, J.
Objekttyp: Article
Zeitschrift: Fachblatt für schweizerisches Heimwesen = Revue suisse des établissements hospitaliers
Band (Jahr), 49 (1978) Heft 4
PDF erstellt am: 30.11.2020
Persistenter Link: http://doi.org/10.5169/seals-809716

Braunwald

Ich musste zwischen 1967 und 1970 immer wieder dorthin.

Ich wurde von vielen mir fremden Personen  über eine lange Zeit immer wieder in diese Kinderheime und in eine Privatfamilie in Braunwald zwischen 1967 - 1970 an Wochenenden und in die Ferien gebracht. Obwohl keine Akten mehr vorhanden sind. Beweise im Heimbericht, Postkarte und meine Erinnerungen gibt es genug. Dass ich sexuell missbraucht wurde, leider auch. Ich weiss, wer mein Täter war, ein Pfarrer von dort. Warum ich so viele Male in diesen zwei evt. drei Heime und in diese Privatfamilie mussten, bleibt mir bis heute ein Rätsel.

Kinderheim Bergfrieden 

Die Schwesternschaft der Braunwald - Diakonissen wurde 2001 aufgelöst. 20 Diakonissen zogen von Braunwald nach Zollikerberg und schlossen sich der Neumünster an, die zu unserer Stiftung gehört. Drei Diakonissen erinnerten sich zum Teil an Lily Haller und Hanni Richner, vom Kinderheim Lutisbach. Ich hoffe, wir finden im Archiv noch Unterlagen aus dem Haus Flueblüemli, und werde dann weiter nach Ihrem Namen suchen und Sie benachrichtigen. Leider war diese suche erfolglos.

Kinderheim Flueblüemli
Ende 1928 begann die erste Wintersaison. Der Betrieb der BrB in der kalten Jahreszeit wurde eingeführt und das Eisfeld eröffnet. 1941 gab es den ersten Transport durch den Skilift Hotel „Niederschlacht“– Bödeli. Die Gemeinde umfasste damals bereits 327 Personen. Im selben Jahr erfolgte die Gründung der Diakonischen Schwesternschaft Braunwalds, die bis zum Jahr 2000 das Erholungshaus „Bergfrieden“ und das Kinderhaus „Flueblüemli“ führte sowie die „freie Schule“ Braunwald trug. Auch hier fanden Sie keine Akten mehr.
Das Heim Elmer könne gut möglich sein, dass ich auch dort war.

In einem dieser Häuser, ein Zimmer das vier oder fünf Kinderbett hatte. Es ist dunkel, ich muss unbedingt auf die Toilette, machte fast in die Hosen. Ich weine und weine … ich schreie … wo ist das Licht … ich finde die Türe nicht. Taste mich an einer Wand ab, stehe auf etwas weichem … ich bin verzweifelt … ich weine fürchterlich. Dann macht ein anderes Kind den Lichtschalter an. Ich stehe neben der Türe in einem fremden Bettchen eins anderes Kind, das schläft.

Ich erinnere mich auch, dass ich an einem dieser Orte unter dem Bügelbrett spielte und das Bügeleisen auf meinen Kopf fiel und ich immer Angst vor diesem bösen Mann hatte.

Woran ich mich noch erinnern kann: Auf diesen Waschmittelboxen befanden sich Figuren von Maga und Floris. Ich habe sie mit einer Schere ausgeschnitten und gesammelt.

2.7. Besuchssonntag: Manuela hatte keinen Besuch und durfte mit Frl. Heidy ins Ferienhaus fahren. Sie war lieb.

Mit dem Ferienhaus war eines dieser Kinderheime gemeint: Bergfrieden oder Flueblüemli oder das Heim Elmer.

In diesem Kinderheim Lutisbach war ich gerade einmal 32 Tage. Es kam jedoch für die Heimtanten nicht infrage, mich zu meiner letzten Pflegefamilie in Menziken in die Ferien zu geben, bei denen ich zuvor fast 7 Monate lang war. Also musste ich über drei Jahre immer wieder auf Braunwald in andere Kinderheime und in eine Privatfamilie.

Auszug aus dem Heimbericht

20.6.1967  Telefon von Frau R. frühere Pflegemutter von Manuela. Sie wollte sie in die Ferien nehmen. Es ist aber besser, wenn sie zu Frl. Ursula nach Braunwald gehen kann.

2.7.1967  Manuela hatte keinen Besuch und durfte mit Frl. Heidy ins Ferienhaus fahren.

26.7.1967  Wir nahmen Frl. Ursula und Manuela im Auto mit ... nochmals auf Braunwald. Mit dem Ferienhaus waren die Kinderheime Bergfrieden & Flueblüemli gemeint. 

Diese Ferienhäuser waren Kinderheime für Kinder die von den Behörden in den Urlaub dorthin geschickt wurden. Ich kam aus einem Kinderheim in andere Kinderheime und in eine private Familie nach Braunwald.

Das finde ich sehr schräg und kann dies bis heute nicht nachvollziehen.

Meine Vermutung warum ich nach Braunwald musste wäre, dass viele Kinder wegen der Tuberkulose nach Oberägeri zur Erholung mussten und es im Lutisbach zu dieser Zeit zu wenig Betten gab.

Diese Dokumente über die Kinderheime Bergfrieden und Flueblüemli und Heim Elmer, habe ich vom Staatsarchiv Glarus bekommen.  

Diese Dokumente, die ich bekam, hat mir einiges klargemacht. Gewisse die von Personen tauchten auch in diesen Dokumenten auf und wurden im Bericht des Kinderheim Lutisbach erwähnt. Dazu meine Erinnerungen und Fotos und auch gewisse Albträume, die ich von dort habe. Ich war in all diesen Kinderhiemen und in einer Privatfamilie ab und zu über drei Jahre lang. Sie konnten jedoch keine weiteren Dateien von mir finden.

Drei Kinderheime

Kinderheime Flueblüemli und Kinderhiem Bergfrieden und das Kinderheim Heim Elmer kommt dazu. Es ist gut möglich das ich auch in dieses Kinderheim Haus Elmer ab und zu hingebracht wurde, da dies nur für Erholungs - und Ferienaufenthalte war.

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8. / 10.Oktober 1968 Alle diese Auszüge aus den Dokumenten hier, haben das Datum 8. und 10. Oktober 1968 

Kinder: Das Heim nimmt nicht Dauergäste, sondern nur Kinder von 3 - 12 Jahren zu Erholungs und Ferienaufenthalten auf.  So sind denn die Versorger nicht die Behörden, sondern meinst die Eltern selber.  Das Haus zählt 15 Plätze. Da es im Spätherbst geschlossen wird, beherbergte es am Besuchstag nur noch ein einziges Kind.

Kinder:  Das Heim beherbergt in der Regel 18 Kinder und ist immer voll besetzt. Diese werden von Fürsorge - und Vormundschaftsbehörden, selten von Privaten. Ihr Aufenthalt dauert meistens mehrere Jahre …. von Privaten werden auch Kinder bloss für die Ferienzeit ins Heim verbracht.

Haus:  Wie wir bereits in unserem Bericht vom 19. Januar 1967 mitteilten, ist das einem Verwandten der Heimleiterin gehörenden Haus nicht speziell als Kinderheim eingerichtet. Aller Voraussicht nach wird es bis in einem Jahr geschlossen und nicht mehr als Heim weiter geführt werden. 

Beschluss:  Vormerknahme  Auszug an:  ...  Diakonische Schwesterngemeinschaft und Haus Bergfrieden, Braunwald 

Das Haus

Zählt fünf Kinderzimmer mit je 3 - 5 Betten. Als Aufenthaltsräume dienen zwei Stuben und eine grosse Terrasse. Auf jedem Stock hat es ein WC und ein Badezimmer bezw. Doucheraum … Personal: Das frühere Wohnhaus von Herr Dr. Joos diente bereits seit 1942 als Kinderheim. Es steht seit 1951 der Leitung von Schwester Verena von der diakonischen Schwestergemeinschaft Haus Bergfrieden. Sie arbeitete früher in der Fürsorge und als Schwester im Marthaheim für die Freundinnen junger Mädchen in Zürich. Ihr zur Seite stehen eine weitere Schwester und ständig 3 - 4 Mädchen, die bei ihr ihr halbjähriges Praktikum als zukünftige Kindergärtnerinnen absolvieren.

Ich wurde überall hin und her geschoben. Nicht nur in diesen Kinderheimen in Braunwald auch zu dieser Familie privat. Es ist die Familie die ein Fuhrunternehmen hatte und immer noch hat.

Akten von mir gab es keine mehr in den Kinderheimen, sowohl auch nicht in Neumünster Diakonie Zollikerberg. Aus dem  Heimbericht vom Kinderheim Lutisbach konnte ich entnehmen, dass mich etwa fünf verschiedenen Personen und auch diesen Heimtanten immer wieder dort hinbrachten.

Ich habe von Braunwald ein paar wenige gute und sehr schlechte Erinnerungen:

Da waren Praktikantinnen in diesem Kinderheim Lutisbach. Eine von denen Ursula … nahm mich privat zu sich nach Hause. Im Heimbericht wurde nur der Name Braunwald benannt, nicht diese Kinderheime Bergfrieden und Flueblüemli vielleicht auch das Heim Elmer, in denen ich auch war. Erinnern kann ich mich nur an Gewisses. Heute kann ich mich an den Namen Bergfrieden, den Namen dieser Praktikantin und den Namen meines Täters, der mich missbrauchte, erinnern.

Und an ein paar Einzelheiten dieser Gewalt und Missbrauch, den ich in Braunwald an diesen vielen Orten Erleben musste: An einem Ort ein älterer Mann, er nahm beim Essen immer das Gebiss heraus, ich hatte Angst vor ihm, er war böse.
Dann einer der wiederkehrenden Albträume die ich bis heute habe. Ein anderer älterer Mann der nachts in meinem Schlafzimmer erscheint. Sein Gesicht, seine Körper. Er war einer meiner Täter der mich sexuell missbrauchte. Dieser Pfarrer … auch er machte mir Angst.

Da ist noch eine andere gestallt, ein älterer Herr, der nachts immer wieder neben meinem Bett steht, ob es an einem dieser Orte in Braunwald war oder an einem anderen mag ich mich bis heute nicht erinnern.

Und immer wieder diese Angst vor der Dunkelheit.

Braunwald GL (Schweiz) Funi - Bahn

Funi - Bahn Braunwald GL (Schweiz)


Meine Erinnerung: Das ich dort schon als kleines Mädchen ganz alleine Skifahren ging.

Der Fahrer dieses Funi nannte mich: Pistenschreck

Ich bekam diese Postkarte mit diesen beiden Hunden von jemandem aus dem Hause Bergrieden mit der Unterschrift:  
M. Bernath werd dies ist, weiss ich nicht.

Chregi und Chedor Haus Bergrieden Braunwald Foto Fred Barbier / Fabricatsion Swisse

An diese beiden Sennenhunde, erinnere ich mich gut.

Chregi und Chedor  die das Gepäck transportierten. Denn Braunwald war autofrei. Ich durfte diese Hunde immer streicheln.

Ich schlief in so vielen fremden Betten, dass ich mich nie erinnern konnte, wo ich gerade war. 


Ich fragte mich damals oft: 
Wie kann man das einem Kind antun?
Wo ist Gott?  Warum schaut er zu und lässt dies geschehen?
Warum hilft er mir nicht?
Ja, ich habe als Kind viel darüber nachgedacht.
Heute existiert er für mich nicht mehr.

Weitere Erzählungen und Dokumente werden in nächster Zeit hinzukommen ...